Anselm Kiefer, Anselm fuit hic, Anselm war hier /Anselm was here, 2017–2024,Emulsion, Öl, Acryl, Schellack,  Blattgold Elektrolysesediment und Holzkohle auf Leinwand / Emulsion, oil, acrylic, shellac,  gold leaf, electrolysis sediment, and charcoal on canvas, 470 x 570 cm, Sammlung Würth,  Inv. 20926, erworben / acquired 2026 © Anselm Kiefer, Foto: Nina Slavcheva

Aktuelle Ausstellung

Anselm Kiefer – Alles, was der Fall ist
Sammlung Würth und Leihgaben

Kunsthalle Würth, Schwäbisch Hall

16. Oktober 2026 bis 3. Oktober 2027

Täglich 10 - 18 Uhr, Eintritt frei

 

Weltweit zählt Anselm Kiefer (geb. 1945 in Donaueschingen) zu den renommiertesten Künstlern der Gegenwart. In die Sammlung Würth haben mehr als 70 seiner Werke aus allen Werkphasen und mit allen von ihm verwendeten Medien Eingang gefunden. Ergänzt werden sie um einige weitere Arbeiten aus Kiefers Atelier. Darunter ist ein Konvolut von Fotografien, in deren Nachbearbeitung das Faktische der sichtbaren Welt ins Fiktiv-Entrückte des Malerischen kippt und Wahrheit als Hypothese erscheint.

So spannt die Ausstellung ihren Bogen von den Besetzungen und Heroischen Sinnbildern der 1960er und 1970er Jahre zu Robert Fludds naturphilosophischen Betrachtungen der Relationen zwischen Mikro- und Makrokosmos. Und von den Feld und Seeschlachten-Fantasien von Velimir Chlebnikov über die Himmelspaläste der jüdischen Kabbala bis zu den rätselhaften, kaum mehr als in ihren Namen erinnerten Frauen der Antike.

Schließlich rücken die bleiernen Bibliotheken in den Blick – und mit ihnen Bücher und Schrift in Objekten und Bildern als Verweise auf gespeichertes Wissen, Geschichte und Literatur. Kiefer widmet sich auch Madame de Staëls (allzu) verklärender Sicht auf deutsche Dichter und Denker einer mitunter schwarzen Romantik oder den Traumata des Dichters Paul Celan.

 

Dessen von ihm zu tiefst bewunderte Lyrik vermochte es, Adornos Behauptung, es sei unmöglich, nach Auschwitz Gedichte zu schreiben, ohne das Grauen zu ästhetisieren, überzeugend zu widerlegen. Aber auch Maos vergiftete Losung „Lasst 100 Blumen blühen“ findet einen unmissverständlichen Kommentar in Kiefers Werk. „In meinen Bildern“, so der Künstler, „erzähle ich Geschichten, um zu zeigen, was hinter der Geschichte liegt. Ich mache ein Loch und gehe hindurch.“ – Seine malträtierten, Asche, Feuer, Sturm und Regen aus gesetzten Werke sind Aufführungsorte seiner Freilegungen – und die vermeintliche „Verwüstung“ der gewaltigen Bildflächen ist weniger als ein Spiegelbild der alle Maße sprengenden Zerstörung, die die Menschheit sich selbst und der Erde antut, zu verstehen denn als Sinnbild einer Rückeroberung und des letztlich längeren Atems der wilden Natur.

 

In seinem monumentalen Holzschnitt Die vier Elemente (1997/2011) zeigt Kiefer eine dunkle Sonnenblume, im todesnahen Zustand, deren Kopf indes schon wieder voller Kerne steckt. In spiriert vom englischen Naturphilosophen Robert Fludd (1574–1637), der überzeugt war, dass jeder Pflanze der Erde ein äquivalenter Stern am Firmament entspreche, und der daraus auf eine Verbindung von Mikro und Makrokosmos schloss, ist der Künstler auf der Suche nach Hinweisen auf den Ursprung des Universums. Als Werkzeuge dienen ihm aber nicht Teleskop oder Teilchenbeschleuniger, sondern seine Werke. „Kunst“, sagt Kiefer, „hat immer auch mit der Aneignung des Unbegreiflichen zu tun (…). Ich bin kein Maler wie Matisse oder Delacroix, ich benutze Materialien als Farben und Farben als Substanzen (…) und die Materialien haben (…) in sich eine spirituelle Bedeutung.“

Anselm Kiefer, Anselm fuit hic, Anselm war hier /Anselm was here, 2017–2024,Emulsion, Öl, Acryl, Schellack,  Blattgold Elektrolysesediment und Holzkohle auf Leinwand / Emulsion, oil, acrylic, shellac,  gold leaf, electrolysis sediment, and charcoal on canvas, 470 x 570 cm, Sammlung Würth,  Inv. 20926, erworben / acquired 2026 © Anselm Kiefer, Foto: Nina Slavcheva

Anselm Kiefer, Anselm fuit hic, Anselm war hier /Anselm was here, 2017–2024,Emulsion, Öl, Acryl, Schellack, Blattgold Elektrolysesediment und Holzkohle auf Leinwand / Emulsion, oil, acrylic, shellac, gold leaf, electrolysis sediment, and charcoal on canvas, 470 x 570 cm, Sammlung Würth, Inv. 20926, erworben / acquired 2026 © Anselm Kiefer, Foto: Nina Slavcheva

Ein Gemälde von Anselm Kiefer in diveren Brauntönen mit einem Vogelkäfig

Anselm Kiefer, Lorelei, 2005, Öl, Emulsion, Acryl, Blei, Gips, Vogelkäfig und Lack auf Leinwand, Sammlung Würth Inv. 18368, © Anselm Kiefer, Foto: Archiv Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg

Anselm Kiefer, Laokoon, 2006, Blei und Fotografien / Lead and photographs, 160 x 100 x 120 cm, Sammlung Würth, Inv. 16981, erworben / acquired 2016 © Anselm Kiefer, Foto: Charles Duprat

Anselm Kiefer, Laokoon, 2006, Blei und Fotografien/ Lead and photographs, 160 x100 x 120 cm,Sammlung Würth, Inv. 16981, erworben/acquired 2016 © Anselm Kiefer, Foto: Charles Duprat

Anselm  Kiefer , Mme de Staël: de l’Allemagne / Mme de Staël: Über Deutschland / Mme de Staël: Germany, 2015, Acryl, Emulsion, Öl, Schellack, Kohle und Collage auf Fotografie auf Leinwand / Acrylic, emulsion, oil, shellac, charcoal, and collage on photograph on canvas, 380 x 330 cm, Sammlung Würth, Inv. 17394, erworben / acquired 2018 © Anselm Kiefer, Foto: Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg

Anselm Kiefer, Mme de Staël: de l’Allemagne / Mme de Staël: Über Deutschland / Mme de Staël: Germany, 2015, Acryl, Emulsion, Öl, Schellack, Kohle und Collage auf Fotografie auf Leinwand / Acrylic, emulsion, oil, shellac, charcoal, and collage on photograph on canvas, 380 x 330 cm, Sammlung Würth, Inv. 17394, erworben / acquired 2018 © Anselm Kiefer, Foto: Galerie Thaddaeus Ropac, Salzburg

Anselm Kiefer, Bilderstreit / Iconoclastic Controversy, 1978, Öl und Emulsion auf Leinwand / Oil and emulsion on canvas, 185 x 331 cm, Sammlung Würth, Inv. 4028, erworben / acquired 1997 © Anselm Kiefer, Foto: Volker Naumann, Schönaich

AnselmKiefer, Bilderstreit / Iconoclastic Controversy, 1978, Öl und Emulsion auf Leinwand / Oil and emulsion on canvas, 185 x 331 cm, Sammlung Würth, Inv. 4028, erworben / acquired 1997 © Anselm Kiefer, Foto: Volker Naumann, Schönaich

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Faltblatt zur Ausstellung
Programm Eröffnungswochenende
Begleitprogramm zur Ausstellung
Themenkatalog Kunstvermittlung für Kinder- und Schulgruppen

Ausstellungkatalog

Zu dieser Ausstellung ist ein Katalog im Swiridoff Verlag erschienen. Der Katalog kann vor Ort in unseren Kunstshops oder online beim Swiridoff Verlag erworben werden.

 

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