Hubert Gerhard (* um 1540/50 in ’s-Hertogenbosch; † um 1620 in München), der niederländische Schöpfer frühbarocker Bronzen, gilt als einer der wichtigsten Vermittler italienischer Formensprache nördlich der Alpen. Seine Schulung an florentinischen Vorbildern, insbesondere in der Werkstatt Giovanni Bolognas, zeigt sich in der Eleganz seiner manieristisch gelängten Figuren. Gerhards geistreiche Interpretationen setzten neue Maßstäbe für die Plastik in Süddeutschland.
Er war für die Fugger in Augsburg, als Hofbildhauer in München sowie in Innsbruck tätig und dabei so gefragt, dass selbst Kaiser Rudolf II sich vergeblich bemühte, den herausragenden Bildhauer an seinen Prager Hof zu binden.
Mit Einzug der Madonna auf der Mondsichel in die Schwäbisch Haller Johanniterkirche kehrt eine der bedeutendsten Mariendarstellungen der Bronzeplastik ganz nah an ihren Ursprungsort zurück. Denn das „gros Marien bildt mit dem Kind auff dem arm und dem Zepter in der Hand“ wurde einst für die Schlosskapelle der Residenz des Bruders Kaiser Rudolfs II, den Erzherzog Maximilian III von Österreich in Bad Mergentheim geschaffen, wo dieser als Hoch- und Deutschmeister dem deutschen Orden vorstand.
Mit beiden Füßen steht Maria auf einer Mondsichel, was sie auch ohne Krone als Herrscherin über alle Gestirne ausweist. Während das, wie seine Mutter, üppig gelockte Jesuskind den Erdball in der linken Hand hält und seine Rechte mit zwei ausgestreckten Fingern zum Segensgruß erhebt, wird die Mondsichel als Sinnbild des Wankelmütigen und Bösen von Maria niedergehalten.
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